Aktuell

Ausstellungshinweis:

Kunstverein Zehnthaus in Jockgrim

Künstlermitglieder des Zehnthauses stellen aus
(Skulptur) – (Malerei)

Ausstellungsguide zur Bildskulptur Erdscholle „Antonia Melo“ im Zehnthaus:

Künstlerische Spurensicherung über das Staudamm Projekt Belo Monte im Amazonas from betty beier on Vimeo.

 



Schnee – Ferne


Eine künstlerisch-wissenschaftliche Spurensicherung über den Schneeferner
Ludwig Ries und Betty Beier

Umweltbundesamt Dessau-Roßlau
Mai/Juni 2017

 


Belo Monte 2016 (Brasilien)

Die ersten Turbinen des umstrittenen Staudamms Belo Monte wurden im Mai 2016 in Anwesenheit von Staatspräsidentin Dilma Roussef in Betrieb genommen. Das Wasser des Flusses Xingu steigt nun stetig an. Die Insel Arapúja ist nahezu geflutet. Fischer berichten, dass deshalb viele Fische verschwunden sind. Manche Fischarten ernähren sich von den Bäumen im Xingu, weil herabfallende Blätter, Blüten und Früchte Nahrung bieten und sogar bestimmte Insekten anziehen. Da diese Bäume nun absterben, finden sie keine Nahrung mehr.

 

Belo Monte

ERDSCHOLLE: „Regenwald“
Pflanzenmaterial, Erde, Fundstücke Acryl auf GFK, 100x100x10-20 cm, Betty Beier (2016)
Fundort der Abnahme und Datum: Regenwald bei Altamira (Para), Brasilien, 23.06.2014: S 03°17.608, W 052°13.495

Der Belo-Monte-Staudamm ist der drittgrößte und gleichzeitig umstrittenste Staudamm der Erde und wird als „Monster-Staudamm“ bezeichnet. Die ersten Turbinen wurden am 5. Mai 2016 in Anwesenheit von Staatspräsidentin Dilma Roussef in Betrieb benommen. Große Flächen des Regenwalds sind bereits in Fluten versunken. Ackerland und Dörfer sind von der Flutung betroffen. Tausende von Menschen wurden umgesiedelt. Die Größe der gefluteten Fläche entspricht in etwa der des Bodensees.

 

Die Insel Arapúja brennt.  Überall gefällte Bäume im Fluss Xingu. Betty Beier 2015. 

Durch die Erschließung des Gebiets sind insbesondere die indigenen Stämme die Leidtragenden. Der Fluss Xingu, zählt zu den letzten intakten Flusssystemen in Brasilien. Seine Artenvielfalt wird häufig als atemberaubend beschrieben.

Noch vor der großen Flussschleife des Xingu befindet sich die erste Staumauer. Ab hier verliert der Fluss erheblich an Wasser. In dieser Schleife leben viele indigene Stämme, deren Wasserwege durch Trockenlegung abgeschnitten werden. Der Xingu und damit die Lebensgrundlage der indigenen Völker werden zerstört. Weiterlesen →

Stuttgart

Der Schlossgarten im Zentrum der Stadt und der direkt angrenzende Rosensteinpark bilden gemeinsam den größten öffentlichen Park. Die Parkanlage ist 600 Jahre alt.

Diese weitläufig Anlage mit seinen hundertjährigen beeindruckenden Bäumen, Rundwegen und Wiesenflächen diente der Stuttgarter Bevölkerung und vielen Besuchern als Naherholungsgebiet und als autofreier Verbindungsweg von der Innenstadt zum Stadtteil Bad Cannstatt mit seinen Mineralbädern und dem Zoologisch- Botanischen Garten der „Wilhelma“.

Am 30. September 2010 demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen Abholzung des Parkes. Im laufe des Tages eskalierte die Demonstration mit der Polizei. Durch den Einsatz von Wasserwerfen und Schlagstöcken wurden teilweise 400 Menschen verletzt. Zwei Demonstranten erlitten schwere Augenverletzungen einer erblindete. Dieser Einsatz führe zu 380 Strafanzeigen gegen Polizeibeamte.

An den Folgetagen ging die Demonstration weiter.

Durch die über Tage anhaltenden Demonstrationen hatte sich der Boden des Schlossgartens in eine Schlammwüste verwandelt. Eine Spurensicherung vom Bürgeraufstand folgte.

Kivalina

ERDSCHOLLE Kivalina (2)
Fundstücke, Sand, Lack, EP-Harz, Acryl, GFK 100x100x5 cm, Betty Beier (2013)
Fundort der Abnahme und Datum: Kivalina/Alaska, Juli 2009, N 67° 43‘ 461, W 164° 32‘ 083 Privatsammlung

Kivalina ist ein Inuit-Ort mit 400 Einwohnern und liegt im Nordwesten Alaskas. Kivalina ist eine 12 km lange Insel und liegt kaum 2 Meter über dem Meeresspiegel. Sie ist in den Sommermonaten nur per Flugzug und per Schiff zu erreichen. Durch den Klimawandel ist die Insel stark betroffen. Das Meer spült das Erdreich weg, von Jahr zu Jahr stärker. Das Dorf ist zunehmend gefährdet, die Schule ist mittlerweile nur noch 10 Meter vom Meer entfernt.
Die künstlerische Spurensicherung in Kivalina hat im Zeitraum August 2009 bis Juli 2010 stattgefunden. Das Projekt „Kivalina“ ist eine künstlerische Spurensicherung über den Klimawandel.

Ausstellungen

2016 „Schnee – Ferne“, Betty Beier und Ludwig Ries, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Berlin und im Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, München.

2015 „Forgotten Space“ Betty Beier, Installation und Stadtaktion, 
Harald Kimmig / Ephraim Wegner, Videoprojektion mit Soundtrack, 
Cristina Ohlmer / Craphone Liu, Silver Eyed, Installation,
 Cristina Ohlmer, Fotoprojekt, Projektion, 
Zahra Poonawala, Vibrations, Klangskulptur, 
Marta Roberti, will have between, Videoinstallation, 
Benjamin Schindler / Jan F. Kurth, audiovisuelle Installation, 
Ephraim Wegner, interaktive Klanginstallation,
Thomas Wenk / Telemach Wiesinger, ZOOM-IN, Installation, 
Donald Bousted – Verses 4
F58, Freiburg


2013 „Das Erdschollen-Archiv“
Eine Spurensicherung verschwindender Landschaften
Umweltbundesamt Dessau-Roßlau

https://www.umweltbundesamt.de/das-erdschollen-archiv

Kárahnjúkar

ERDSCHOLLE: Kárahnjúkar (7)
Jökulsá á Brú Sand, Löss, Acryl, GFK, 100x100x15 cm, Betty Beier (2010)
Abnahmeort und Datum: Kárahnjúkar/Island 64°55´05 N, 15°48`31 W, 11.8.2006

Im September 2006 wurde der Canyon – die Kárahnjúkar-Schlucht – durch eine 198 Meter hohe Staumauer abgesperrt. Wasserfälle, Moore, Heidelandschaften, Täler und kleine Schluchten sind in den Fluten verschwunden. Der Stausee und das Kraftwerk im isländischen Hochland liefert Energie für ein Aluminiumwerk des amerikanischen Konzern Alcoa im Örtchen Reydarfjördur in Island.

Das isländische Staudammprojekt „Kárahnjúkar“ hatte ein hohe Aufmerksamkeit in internationalen Medien – darunter auch deutschsprachige, wie SPIEGEL, GEO oder DIE ZEIT.

 

 

 

Besonders berührte mich, dass die betroffene Region bislang als Wildnis, d.h. als weitgehend frei von menschlichen Einflüssen klassifiziert wurde. Erstmal 2005 besuchte ich das Gebiet mit einem Fahrrad und einem Spezialanhänger. Von 2005-2007 begleitete ich das Kárahnjúkar-Staudammprojekt im isländischen Hochland.

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Altenwerder

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Bereits vor 750 Jahren wurde Altenwerder urkundlich erwähnt. Altenwerder war eine Elbinsel, die im Stromspaltungsgebiet der Elbe lag. Neben der traditionellen Landwirtschaft lebte man von Fischerei und Handwerk. Durch eine schlechte Ernteperiode und die Stadtnähe wechselte man vor ca. 200 Jahren zum Obstanbau. Der fruchtbare Marschboden und der Fischreichtum der Elbe gaben den meisten Familien eine gute Existenzgrundlage. Die Elbinsel ist 250 Hektar groß. Bereits seit 1929 ist die Elbinsel als Hafenerweiterungsgebiet vorgesehen.


1973 beschließt der Hamburger Senat und die Bürgerschaft die “Räumung zum Zwecke der Hafenerweiterung”. Die Zerstörung des Fischerdorfs und die Umsiedlung der 2000 Einwohner beginnt. Danach folgt 20-jähriger Planungsstillstand. Altenwerder verwächst zum Biotop.
1997: Der erste Sand wird von einem niederländischen Hopperbagger angeliefert. Der Sand wird auf das Gelände aufgespült.
Am 31. Mai 1998 verlassen die letzten Bewohner Altenwerder. Um als Seehafen konkurrenzfähig zu bleiben, entsteht hier ein Containerterminal mit Logistik-Zentrum. Es bietet Liegeplätze für Containerschiffe von mehr als 300 Meter Länge.
2003: Das Containerterminal geht in Betrieb.

Inden

ERDSCHOLLE: „Inden 3“
Erde,  Acryl auf GFK, 100x100x10cm, Betty Beier (2010)
Fundort der Abnahme und Datum: Inden/Pier

Inden II – Braunkohlenabbaufläche Inden

Bis heute hatten den Braunkohlebaggern fast 30.000 Menschen in mehr als 50 Dörfern weichen müssen. Die Planungen sehen bis zum Jahr 2030 die Umsetzung (Umsiedlungen) von weiteren Dörfern vor. Im Abbaubereich lagen die Ortschaften Inden, Altdorf und Pier

Die Umsiedlung von Altdorf und Inden begann bereits im Mai 1991 und ist im September 1999 abgeschlossen worden. 2003 verließen die letzten Bewohner Inden.

Die niederrheinischen Dörfer haben eine Kulturgeschichte, die für mehr als 1000 Jahre mit Urkunden und für 7.000 Jahre durch Funde belegt ist. In den Dörfern hat sich eine spezielle Tradition und Kultur entwickelt, die nicht nur mit den Bewohnern sondern auch mit der baulichen Substanz des Dorfes zusammenhängt.

Auf den Fildern

Seit über 20 Jahren war sie politischer Dauerbrenner und Streitobjekt weit über Stuttgart hinaus – die geplante Landesmesse „Auf den Fildern“, neben dem Flughafen in Leinfelden-Echterdingen.
Seit Anfang der Neunziger wurde an diesem Großprojekt geplant. Die von der Messe benötigte Fläche von ca. 100 ha gehörte 99 Eigentümern. Da von Anfang an die Stadt Leinfelden-Echterdingen und die Grundeigentümer Widerstand leisteten, wurde nach Ansicht des BUND ein verfassungswidriges – exklusives Landesmessegesetz von der Landesregierung verabschiedet.

Durch den Bau der Landesmesse waren insbesondere Landwirte betroffen. Ihnen ging dabei hofnahe und wertvolle Fläche verloren. 21. Oktober 2007 wurde die Landesmesse eröffnet.

Belo Monte 2015

Altamira, (Para, Brasilien) 18.09. 2015: Spurensicherung der Zerstörung.  Antonia Melo Da Silvia auf ihrem zerstörten Grundstück.

Antonia Melo ist die Koordinatorin der Gruppe „Xingu Vivo Sempre“ und Leitfigur im Kampf gegen den Staudamm Belo Monte am Fluss Xingu. Antonia musste letzte Woche ihr Haus räumen. Bis zuletzt hatte sie sich gewehrt. Sämtliche Häuser in der Nachbarschaft waren bereits zerstört. Nur eine Nachbarfamilie und sie selbst hatten noch standgehalten. Ihr Haus mit einem wunderschönen Garten fällt diese Woche dem Staudamm zum Opfer.

Sie veröffentlichte dazu in Facebook (in freier Übersetzung aus dem Brasilianischen): „Mich aus meinen Haus zu vertreiben, ist ein weiterer Versuch, mich zum Schweigen zu bringen. Sie werden alles zerstören, werden aber nie in der Lage sein, mich zum Schweigen zu bringen. Sie lachen und glauben, dass sie mich geschlagen haben. Ich habe Mitleid mit ihnen. Denn sie sind die Verlierer, weil sie, im Gegensatz zu mir, in ihrem Leben noch nie die Ruhe des Geistes erfahren haben. „Frieden“ – wenn man kein Feigling ist. Ich marschiere mit meiner Fahne in der Hand weiter. Was ist mit denen, die an der Regierung sind? Diese Unternehmen wiegen sich in Sicherheit. Es ist ein monströses Verbrechen. Ich werde nie verzeihen. Die Natur wird nicht vergeben. Das ist ein Verbrechen ohne Vergebung. Lula und Dilma sind Verbrecher, sie sind Verräter, Feiglinge.“ (Antonia Melo Da Silva, 16.09.2015